Die OCG ist auf vielfache Weise mit dem österreichischen Computerpionier Heinz Zemanek verbunden:
Biographisches
Nach seiner Ausbildung zum Nachrichtentechniker an der Technischen Hochschule in Wien wurde Heinz Zemanek zunächst Assistent an der TH. 1950 begann der er dort mit dem Bau seines ersten Rechners. Ihm wurde schnell
klar, dass die damals dominierenden Röhren zur Konstruktion von
"Rechenautomaten" nicht geeignet waren.
1954 nahm er deshalb mit einem Team von Studenten die Entwicklung eines
vollständig transistorisierten Computers in Angriff. Ohne offiziellen Auftrag
musste sich Zemanek das Geld und die Bestandteile zusammenbetteln. So wurden die Transistoren von der Firma Philips zur Verfügung gestellt.
Von 1956 bis 1958 bauten die Techniker das Mailüfterl, aus
dem einer der ersten volltransistorisierten Computer der Welt und der erste auf
dem europäischen Festland werden sollte.
Mailüfterl statt Wirbelwind
Jeder einzelne der rund 3.000 Transistoren und die 5.000 Dioden wurden
auf 1.500 etwa 15 mal zehn Zentimeter große Platten aufgelötet. Der Rechner
hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und
Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochstreifen; die Ausmaße waren mit
mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich.
Den Namen "Mailüfterl" wählten die Techniker aufgrund "der eher
langsamen Transistoren, die uns zur Verfügung standen", erinnerte sich
Zemanek. Damit hätte man keinen Wirbelwind, sondern eben nur ein
"Mailüfterl" zustande gebracht, so der Pionier.
66 Minuten für eine Primzahl.
Nach der Konstruktion der Hardware erfolgte von 1958 bis 1961 die
Programmierung "und der Übergang der ganzen Gruppe von der Hard- zur
Software". Am 27. Mai 1958 bestimmte das Mailüfterl in 66
Minuten die Primzahl 5073548261.
1959 wurde für den Zwölfton-Komponisten Hanns Jelinek ein musiktheoretisches
Programm entwickelt und die Aufgabe in 60 Stunden gelöst. Um für diese langen
Rechenzeiten nicht ständig am Institut sein zu müssen, hatten die Techniker den
Hauptakkumulator des Mailüfterls an das Telefon gekoppelt. Sie konnten dadurch von zu Hause anrufen und anhand der hörbaren
"Melodie" feststellen, ob das Programm läuft.
Nach mehreren Übersiedlungen steht das Mailüfterl heute im Technischen Museum Wien.
Begründer von IBM-Laboratorium in Wien
1961, Zemanek war inzwischen habilitiert, übersiedelte die gesamte
Gruppe um den Computerpionier zu IBM. Der Konzern hatte angeboten, für das Team
ein Laboratorium in Wien aufzubauen. Auch das Mailüfterl wurde von
IBM dem Staat abgekauft und dem Labor, dem Zemanek bis 1976 vorstand, zur
Verfügung gestellt. Im Bild ist das Mailüfterl bei seinem Umzug zu sehen (Der Herr an der Ecke ist übrigens Prof. Zemanek. © Heinz Zemanek, Digitalisierungsprojekt der OCG).
Der Techniker war einer der ersten, der die Bedeutung der Software für die
Computertechnologie erkannte. Die Forschergruppe konzentrierte sich daher bald
auf Programmiersprachen und entwickelte die Vienna Definition
Language, die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge
die Vienna Definition Method und erlangte damit Weltruf.
1976 wurde Zemanek zum IBM-Fellow ernannt, eine Auszeichnung, die nur wenigen
Europäern zuteilwurde. Vollständig frei in seiner Aufgabenwahl konzentrierte
sich der Wiener auf die Theorie des Systementwurfs und nannte sie Abstrakte
Architektur.
Professor an der TU
Zemanek war ab 1964 außerordentlicher und ab 1983 ordentlicher Professor
an der Technischen Universität Wien. Seit 1985 ist er in Pension, setzte aber seine Vorlesungen an der TU noch bis 2007 fort. Damit kann er auf 60 Jahre ununterbrochener Vorlesungstätigkeit zurückblicken.
Im Laufe seiner Karriere erhielt Zemanek zahlreiche Auszeichnungen und bekleidete
hohe Positionen. Er war Präsident der International Federation for Information
Processing (IFIP), die seit einigen Jahren ihren Sitz in Laxenburg bei Wien hat
und ihn 1998 mit ihrem Isaac L. Auerbach-Preis auszeichnete.
Er ist Mitglied der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Großen
Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 2003 wurde er für sein
wissenschaftliches Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet.
Er ist Autor von 7 Büchern und hat mehr als 550 Publikationen verfasst.
Zur Zeit arbeitet er an der 6. Auflage seines Buches
Kalender und Chronologie, das 1978 erstmals erschien. Mit dem OCG-Mitarbeiter Dr. Johann Stockinger arbeitet er an einem Projekt zur Digitalisierung seines umfangreichen Bildarchivs.
Die OCG hofft auf zahlreiche Jahre fruchtbarer Zusammenarbeit.