Band 158

Impulse für e-Government: Internationale Entwicklungen, Organisation, Recht, Technik, Best Practices

Tagungsband zum ersten e|GOV Day 2002
des Forums e|Gov.at


Editor: Maria A. Wimmer
 
ATS 290,-/260,- € 21,07/18,89
ca. 300 Seiten; Link zur Bestellung.

Vorwort

E-Government steht als Schlagwort für die Umformung von Staat und Verwaltung mit Hilfe der Informationstechnik. Ähnlich zu e-Commerce werden in e-Government Geschäfts-, Verwaltungs- und Rechtsbeziehungen aus räumlichen und zeitlichen Bindungen gelöst und gleichsam in den Cyberspace verlegt. Über viele Jahrzehnte gewachsene Verwaltungsstrukturen werden auf Internet basierte Lösungen umgesetzt, wobei es zu drastischen Änderungen kommt. E-Government ist gleichsam als Technologieschub und Ansporn zu sehen, Abläufe zu überdenken, zu straffen und neu zu gestalten. Somit rücken viele Forderungen der Verwaltungsreform (wie sie schon seit Jahren vom New Public Management gestellt werden) in Reichweite der Realisierung.
 
Die Integration elektronischer Kommunikation umschließt sowohl die Verwaltungsinstitutionen als Ganzes (Innenbeziehungen), wie auch die Beziehungen zu deren Klienten, wie Bürger und Unternehmen (Außenbeziehungen). Nicht gering sind die Ansprüche an organisatorische Änderungen. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, daß es nicht sinnvoll ist, allein die Außenkommunikation zu modernisieren. Vielmehr sind die Arbeitsvorgänge einer Behörde zu reorganisieren. Denn die Außenkommunikation entspricht gleichsam nur der Spitze des Eisberges, die sichtbar aus dem Wasser herausragt.
 
Die Änderungen sind groß, Neues ist gefragt und so rücken Gestaltungsfragen in den Mittelpunkt des Interesses. Aus vorher Gesagtem ergibt sich in Konsequenz, daß eine Trennung zwischen Frontoffice und Backoffice an Relevanz verliert. Durch online Transaktionen wird ein Teil der bis dato internen Geschäftsabwicklung nach außen auf eine Plattform - sei dies nun eine Internet Plattform, eine Wireless Plattform, ein Bürgerbüro, ein öffentlicher Kiosk oder ein Call Center - gezogen. Damit verbunden sind einerseits Rechtsfolgen. Die neuen Formen der Beziehung müssen ebenso verläßlich und vertrauenswürdig sein, wie es die bisherige Form war. Andererseits ergeben sich durch die nach außen Verlagerung bestimmter Geschäftsprozessteile Anforderungen an die Plattform, bestimmte Funktionalitäten zu übernehmen, die sonst innerhalb der Behörde abgewickelt wurden. Zudem sind informationelle Garantien auf technischer, organisatorischer und rechtlicher Ebene zu verwirklichen.
 
Um der Bedeutung dieser Entwicklung zu entsprechen hat die Österreichische Computergesellschaft das Forums e|Gov.at gegründet. Das Forum versteht sich als unabhängige Plattform von Fachleuten für den Informations- und Erfahrungsaustausch rund um das Thema e-Government. So gilt es bereits realisierte Projekte zu analysieren und beispielhaft über deren Nutzen zu informieren. Neue Ansätze sind ganzheitlich zu diskutieren und konkrete Lösungsvorschläge sollen erarbeitet werden.
 
Die Experten kommen aus den verschiedensten Bereichen. Neben Vertretern der Öffentlichen Verwaltung auf allen Ebenen (Bund, Land, Gemeinden), die Praxiserfahrung mitbringen und die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in die Realisierung ihrer e-Government Projekte einfließen lassen, arbeiten im Forum e|Gov.at Wissenschaftler verschiedener Disziplinen (Informatiker, Juristen, Sozialwissenschaftler) sowie Repräsentanten aus der Wirtschaft mit, darunter Mitarbeiter führender IT-Dienstleister für die öffentlichen Verwaltungen.
Das im Frühjahr 2001 gegründete Forum hat im ersten Arbeitsjahr bereits umfangreiche Detailarbeit geleistet und so ist die Zeit gekommen, die Ergebnisse an die Öffentlichkeit heran zu tragen. Der e|Gov Day 2002 dient diesem Transfer und stellt einen dafür gewünschten nationalen und internationalen Kontext her. So stehen neben wissenschaftlichen Leitvorträgen und Berichten aus dem Ausland die Ergebnisse der vier Arbeitskreise im Vordergrund:
 
1. Der Arbeitskreis Organisation beschäftigt sich mit Fragen der verwaltungstechnischen Voraussetzungen für eine effiziente elektronische Umsetzung. Neben Vorgehensmodellen und Einführungsstrategien werden vor allem Prozessmodelle, Portale und Bürgerdienste betrachtet.
 
2. Der Arbeitskreis Technologie widmet sich den technischen Fragen im Rahmen der zu realisierenden Infrastruktur im Bereich des e-Government. Authentische und sichere Kommunikation in offenen Netzen, die Bürgerkarte und der elektronischer Zahlungsverkehr in der Verwaltung sind typische Themen.
 
3. Im Arbeitskreis Recht fächert man verwaltungsrechtliche Rahmenbedingungen für das e-Government auf. So werden die einzelnen Verwaltungsverfahrensabschnitte jeweils einer gesonderten Analyse unterzogen. Auch wird der Frage nachgegangen, welche verfassungsrechtlichen Änderungen für die Möglichkeit des e-Voting vonnöten sind.
 
4. Im Arbeitskreis Best Practice wird versucht auf nationaler bzw. internationaler Basis gut implementierte Projekte zu analysieren und die Stärken der Lösungen herauszufiltern, um sie als Anregungen für österreichische Projekte heranzuziehen.
 
Der e|Gov Day bietet auch interessierten IT Providern eine Möglichkeit der Demonstration ihrer Dienstleistungsangebote auf den Firmenständen. Einige besonders hervorzustreichende Lösungen werden dabei in einer Industrie-Demo Session kurz vorgezeigt und können in diesem Tagungsband nachgelesen werden.