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E-Voting in Estland

Estland nimmt unter den europäischen Staaten eine klare Vorreiterrolle bei der Umsetzung und dem Einsatz von E-Voting ein, es ist das erste Land in der Europäischen Union in dem die Stimmabgabe über das Internet bereits rechtsgültig bei Parlamentswahlen möglich war.
Da in Estland bereits sehr früh die Grundlagen für E-Voting, in Form von entsprechenden gesetzlichen Regelungen sowie der für Internetwahlen erforderlichen Infrastruktur, geschaffen wurden, konnten mittlerweile auch große E-Voting Projekte erfolgreich realisiert werden:

E-Voting Pilotprojekt in Tallinn 2005:
Im Jänner 2005 wurde in der Stadt Tallinn erstmalig im Rahmen einer stadtweiten Abstimmung die Möglichkeit zur Stimmabgabe über das Internet angeboten. Diesem Projekt ging eine längere Phase der Vorbereitung voran, bei der sowohl durch Gesetzesanpassungen die gesetzlichen Grundlagen, als auch durch die landesweite Ausgabe von über 700.000 ID-Karten zur Wähleridentifikation, die notwendigen Infrastrukturgrundlagen für das E-Voting geschaffen wurden.
Bereits bei diesem Pilotversuch kam ein E-Voting System basierend auf der Verwendung der Public-Key-Kryptographie zum Einsatz, außerdem war es den Wählern von Anfang an möglich mehrmals eine Stimme abzugeben (sogenannte Multicasts), gewertet wurde dann die jeweils zeitlich zuletzt eingelangte Stimme.
Insgesamt 13,7% der Wahlteilnehmer nutzten die Möglichkeit ihre Stimme über das Internet abzugeben, und das Projekt verlief erfolgreich ohne Zwischenfälle und technische Schwierigkeiten.

Lokalwahlen in Estland 2005:
Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt in Tallinn im Jänner 2005 wurde schließlich erstmalig im Zuge der Lokalwahlen in Estland im Oktober 2005 landesweit eine E-Voting Option angeboten.
Da der Besitz einer ID-Karte (digitale Signaturkarte) seit 2002 gesetzlich verankert ist waren zu den Wahlen 2005 bereits über 900.000 Karten an die Bürger ausgegeben, somit besaßen also rund 65% der Gesamtbevölkerung eine digitale Signaturkarte. Ähnlich positive Werte erreicht Estland bei der Internetnutzung, wodurch es geradezu prädestiniert für den Einsatz von E-Voting ist.
Auch das bei den Lokalwahlen verwendete E-Voting System basierte auf der Technik der Public-Key-Kryptographie, des Weiteren richtete sich Estland bei der Umsetzung nach den Empfehlungen des Europarates zu E-Voting.
Die Wahl verlief erfolgreich ohne größere Zwischenfälle oder Attacken auf die Wahlserver, lediglich zwei mal fiel der Server wegen technischer Probleme aus, einmal für wenige Minuten, einmal für etwa eine halbe Stunde.
Insgesamt gaben rund 2% aller Wähler ihre Stimme mittels E-Voting ab, in einer nachträglichen Erhebung wurde die noch mangelhafte Ausstattung der Bevölkerung mit Kartenlesegeräten als eine mögliche Ursache für den geringen Anteil an mittels E-Voting abgegeben Stimmen identifiziert.
In Summe zeigte sich ebenfalls ein starker Zuspruch der Bevölkerung zu E-voting.

Parlamentswahlen in Estland 2007:
Wie schon bei den vorangegangenen Wahlen bestand auch anlässlich der Parlamentswahl im März 2007 für die Wahlberechtigten die Möglichkeit ihre Stimme mittels E-Voting abzugeben.
Das verwendete E-Voting System war das Selbe wie zu den Lokalwahlen 2005, die ID-Karten Verbreitung war zum Datum der Wahl auf rund 90% der Wahlberechtigten angewachsen.
Die Stimmabgabe hatte sich im Vergleich zu 2005 mit rund 6% etwa verdreifacht, und die Wahl verlief erneut ohne größere Zwischenfälle oder Attacken.

Quellen

  • The National Election Committee (2005): E-Voting System Overview
  • Madise, Ülle / Vinkel, Priit / Maaten Epp (2006): Internet Voting at the Elections of Local Government Councils on October 2005
  • Estionian National Electoral Committee: http://www.vvk.ee/engindex.html

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projekte/estland/e-voting_in_estland.txt · Last modified: 2007/06/21 21:52 by markus_smolnik
 
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