Auch in Frankreich wurden bereits zahlreiche erfolgreiche E-Voting Pilotprojekte durchgeführt, die Bestrebungen konzentrierten sich sowohl auf Projekte IT-unterstützter Präsenz- als auch Distanzwahlsysteme.
E-Voting Wahltest in Issy-les-Moulineaux 2002:
Im Rahmen der Gemeindevertretungswahlen 2002 konnten, unterstützt durch das EU Forschungsprojekt CyberVote, die Wahlberechtigten der Kleinstadt Issy-les-Moulineaux am Rande von Paris erstmalig ihre Vertreter exklusiv IT-unterstützt über das Internet oder eigene Stimmabgabemaschinen wählen.
Zur Wähleridentifikation wurde ein PIN-basiertes System verwendet, bei welchem für jeden Wahlberechtigten vorab die Identifikationsnummer zur persönlichen Abholung in seinem jeweiligen Postamt auflag. Die verwendeten Daten wurden mittels des Kryptographieverfahrens des Homomorphismus verschlüsselt.
E-Voting Pilotprojekt anlässlich der Vertretungswahlen des „Conseil Supérieur des Français de l'Etranger“ (CSFE) 2003:
Nach einer zuvor erfolgten Gesetzesnovellierung, welche es im Ausland lebenden Franzosen ermöglichte ihre Vertreter im „Rat der im Ausland lebenden Franzosen“ auf elektronischem Weg zu wählen, wurde anlässlich der Wahlen im Mai und Juni 2003 ein großangelegtes E-Voting Pilotprojekt durchgeführt.
Rund 50.000 wahlberechtigte Franzosen in den Wahlbezirken Washington und San Francisco erhielten die Möglichkeit, neben der Stimmabgabe mittels Brief oder Präsenzwahl im jeweiligen französischen Konsulat, ihre Stimme auch mittels E-Voting über das Internet abzugeben.
Zur Identifikation der Wähler wurde ein PIN-basiertes Verfahren verwendet, bei dem den Wahlberechtigten vorab eine Identifikationsnummer und ein Passwort mittels Brief an ihre Heimatadresse geschickt wurde.
Die Ergebnisse des Pilotprojektes wurden als positiv bewertet, der E-Voting Versuch verlief ohne Zwischenfälle, und die Wahlbeteiligung konnte um 2,5% gesteigert werden.
Wahlmaschinentest im Rahmen der Wahlen des Europäischen Parlaments 2004:
Am 13. Juni 2004, dem Tag der Wahlen des Europäischen Parlaments, boten 18 Gemeinden in Frankreich ihren wahlberechtigten Bürgern die Möglichkeit der Stimmabgabe mittels Wahlmaschinen an.
Es kamen in Summe drei verschiedene Wahlmaschinentypen zum Einsatz, in einigen Gemeinden waren die digital abgegeben Stimmen rechtlich bindend, in anderen wurden sie parallel gelistet und nahmen keinen Einfluss auf das Endergebnis.
Die einzelnen Wahltests verliefen ohne bedeutende technische Komplikationen.
E-Voting Pilotprojekt im Zuge der Vertretungswahlen der französischen Kammer für Handel und Industrie 2004:
Nach den positiven Ergebnissen der vorangegangenen Pilotprojekte wurde 2004 anlässlich der Vertretungswahlen der französischen Kammer für Handel und Industrie erneut ein Pilotprojekt zur Internetwahl durchgeführt.
In fünf teilnehmenden Städten hatten insgesamt 340.000 wahlberechtigte Kammermitglieder vom 13. Oktober bis 03. November 2004 die Möglichkeit ihre Stimme digital über eine eigene Wahlplattform abzugeben.
Der Wahlprozess verwendete erneut ein PIN-basiertes System zur Wähleridentifikation, und wurde von der „Commission nationale de l’informatique et des libertés“ (CNIL) in Punkto Sicherheit auf der selben Stufe wie herkömmliche Briefwahlen eingeordnet.
E-Voting Pilotprojekt anlässlich der Wahlen der „Assemblée des Français de l'Étranger“ 2006:
Die „Assemblée des Français de l'Étranger“, eine Vereinigung der im Ausland (Regionen: Europa, Asien, mittlerer Osten und Ozeanien) lebenden Franzosen, bot ihren Mitgliedern anlässlich der Vertretungswahlen 2006, nach Genehmigung durch das Außenministerium, die Möglichkeit zur optionalen Stimmabgabe über das Internet.
Den Teilnehmern wurde wie gewohnt die für die Identifikation auf der Wahlplattform notwendigen Informationen postalisch zugesandt, allerdings über den regulären Postweg und nicht in Form von eingeschriebenen Briefen.
Seitens der CNIL wurden kritische Stimmen betreffend der Einhaltung der Wahlrechtsgrundsätze bei der Internetwahloption laut, da ihr nicht alle notwendigen technischen Informationen für eine Verifizierung des Wahlsystems zugänglich gemacht wurden.