Arbeitskreis Digital Preservation - Aufgaben und Ziele
Nachlese zum Kick-off Meeting des Arbeitskreises
Das Kick-off Meeting fand am Dienstag, dem 27. Februar 2007, im Heinz Zemanek-Saal der OCG statt. Weitere Informationen darüber finden Sie im Arbeitskreiswiki:
Motivation
Durch die rasante Entwicklung digitaler Medien und der entsprechenden Bearbeitungs- und Zugriffsmöglichkeiten werden sämtliche Bereiche unseres Lebens grundlegend beeinflusst und geprägt. Seien es Einrichtungen aus Forschung, Verwaltung oder Kultur, die Industrie oder der Dienstleistungsunternehmen, alle erwarten, dass die erstellten bzw. gewonnen digitalen Informationen für sehr lange Zeiträume oder sogar für immer zur Verfügung stehen. In vielen Fällen ist eine Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit von Informationen aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Regelungen erforderlich. Auch für den privaten Bereich, wo persönliche Informationen, Emails, digitale Bilder, Video- und Audiodokumente auf Dauer verfügbar sein sollten, bestehen ähnliche Anforderungen an eine Langzeitarchivierung.
Für eine dauerhafte Verfügbarkeit digitaler Information müssen Digitale
Langzeitarchive in geeigneter Form bereitgestellt und verwaltet werden. Soll digitale Information dauerhaft benutzbar
gehalten werden, treten zahlreiche Herausforderungen im Bereich der
elektronischen Datenhaltung zu Tage: Veralten die technischen
Umgebungen (Geräte, Applikationen, Betriebssysteme), von denen digitale
Medien abhängig sind, so sind auch diese nicht mehr benutzbar. .Die
Herausforderungen sind jedoch keineswegs nur technischer, sondern auch
gesellschaftlicher und organisatorischer Art: Während es im Bereich der
Erhaltung analoger Medien funktionierende organisatorische Strukturen
und klare Verantwortlichkeiten einzelner Gedächtnisinstitutionen gibt,
fehlt dies noch weitgehend im Bereich der digitalen Medien.
Wenn wir nicht rasch handeln, wird in absehbarer Zeit ein Großteil unseres
gegenwärtigen digitalen Erbes, ohne auch nur eine Spur hinterlassen zu
haben, verschwunden sein. Wird den Herausforderungen der langfristigen
Erhaltung unserer digitalen Ressourcen und damit unseres
intellektuellen Kapitals nicht ernsthaft entsprochen, droht sich dies
zu einer ernsten Gefährdung unserer gesamten Wissens- und
Informationsgesellschaft zu entwickeln. Die Brisanz der erwähnten
Punkte wird daraus deutlich, dass die Generalkonferenz der UNESCO 2003
die Erhaltung des digitalen Erbes zu einer "dringenden Aufgabe von
weltweiter Bedeutung" erklärt hat. Die UNESCO-Charta zur Bewahrung des digitalen Kulturerbes1 hebt die Herausforderungen hervor, und fordert Maßnahmen, die den ganzen Lebenszyklus digitaler Ressourcen berücksichtigen.
In den letzen Jahren wurden international zahlreiche Studien über die Problematik der digitalen Langzeitarchivierung durchgeführt (u.a. Bericht der DELOS-NSF Working Group on Digital Archiving and Preservation [2003]2, NDIIP-Report [2003]3, Warwick Workshop Report [2005]4, European Task Force on Permanent Access Report [2005]5.) die die Herausforderungen eingehend durchleuchten. Auch in zahlreichen Projekten werden einzelne Aspekte bearbeitet. Die Arbeiten dazu sind aber nur vereinzelt über Empfehlungen, Modelle und Pilotanwendungen hinausgekommen. So stellt z.B. im Standardisierungsbereich das Referenz-Modell des Open Archival Information System (OAIS) eine (sehr) abstrakte Architektur für digitale Langzeitarchive zur Verfügung, die jedoch in vielen Aspekten ergänzt bzw. verfeinert und. v.a. praktisch erprobt werden muss.
Es ist zu bezweifeln, dass ein einziger Ansatz ausreichen wird, das
breite Spektrum digitaler Informationen langfristig verfügbar und
benutzbar zu halten. Zu groß sind die Unterschiede zwischen - um
nur einige wenige Beispiele zu nennen - experimentellen Messdaten
der Hochenergiephysik, Simulationsergebnissen aus der Pharmazie,
Streaming Data der Satellitenwelt, Ressourcen der Medienindustrie (u.a.
elektronische Zeitschriften, Audiodokumente, Filme), Dokumente im
Bereich der elektronischen
Verwaltung, ausführbaren Softwareprodukten und letztlich den Daten des
privaten Umfeldes. Heterogenität der Verarbeitungssysteme, Plattformen,
Kodierungen und Speicherverfahren kommt zu alldem noch hinzu.
Aufgaben und Ziele des Arbeitskreises umfassen:
- Bewusstseinsförderung für Problemstellungen im Bereich der Digitalen
Langzeitarchivierung - Bündelung von Information und Wissenstransfer im Bereich der Digitalen
Langzeitarchivierung - Aufbau von Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Digitalen Langzeitarchivierung auf nationaler und internationaler Ebene
- Diskussion von Best-Practice-Modellen
- Unterstützung von Ausbildungsmöglichkeiten
Der Arbeitskreis wird sich in Untergruppen z.B. auf einzelne Medienarten oder auf einzelne Anwendungsszenarien fokussieren, um für den gewählten Kontext Strategien sowohl für eine langfristige Speicherung, als auch mit vertretbarem Aufwand gesicherte Zugriffsmöglichkeiten auf diese Ressourcen in geeigneter Form zu erarbeiten. Insbesondere beim Suchen, Finden, Nutzen und letztlich Weiterverarbeiten archivierter Daten sind noch viel Probleme zu lösen. Von ungenügend beschriebenen Speicherverfahren über fehlende oder ungenügend standardisierte Metainformationen, bis zur problembehafteten semantischen Interpretierbarkeit alter Bestände gibt es hier noch viele Aufgaben zu bewältigen.
- Archivierungsstrategien und deren Evaluierung
- Selektionsstrategien für digitale Objekte
- Kostenmodelle und organisatorische Aspekte
- Planung von Digitaler Langzeitarchivierung
- Metadaten, Beschreibung digitaler Objekte
- Rechtliche Aspekte der Langzeitarchivierung
- Anwendungsszenarien und spezifische Anforderungen
Quellen:
- http://www.unesco.at/user/texte/docs/charta_digitales_kulturerbe.pdf
- http://delos-noe.iei.pi.cnr.it/activities/internationalforum/Joint-WGs/digitalarchiving/Digitalarchiving.pdf
- http://www.digitalpreservation.gov/about/NSF.pdf
- http://www.dcc.ac.uk/events/warwick_2005/Warwick_Workshop_report.pdf
- http://tfpa.kb.nl/Proposal%20Research%20and%20Development.doc
Für Interessenten, die beim Aufbau und der Gestaltung mitarbeiten
möchten, wird eine eigene Interessentenliste eingerichtet. Falls Sie
jetzt schon als Firma oder Organisation Kontakt aufnehmen wollen,
kontaktieren Sie bitte Johann Stockinger in der OCG:
Telefon: +43-1-512 02 35-20
E-Mail: stockinger@ocg.at
In Kooperation mit:







