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2. Competence Circle: Vernetzter Egoist. IKT verändert den Menschen

Der zweite Competence Circle fand am 30. November 2004 statt.  Prof.  Dr. Johann Günther (Executive Director University of Applied Sciences, St. Pölten) hielt einen Vortrag zum Thema "Vernetzter Egoist. IKT verändert den Menschen".

Folgende Zusammenfassung des Vortrages von Prof. Günther erschien im OCG Journal 4/2004:

Der vernetzte Egoist
IKT verändert den Menschen

Wird die Technik den Menschen ersetzen? Wird sie ihm Hilfsmittel oder Joch sein? Werkzeuge sollen dem Menschen das Leben leichter machen. Technik, die kein Werkzeug ist, ist Spielzeug und nutzlos für das tägliche Leben. Technik ist Ergänzung und Erweiterung des Menschen. Sie stärkt ihn und macht ihn unabhängiger.

Einfussfaktor "Medientechnik"

Technik greift in alle Lebensbereiche ein. Nicht nur in wirtschaftsorientierte, sondern auch in Bildung und Kunst.

Die Frage ist: Beeinflusst die Technik den Menschen, oder nützt der Mensch die Technik als Werkzeug?

In jedem Fall beeinflusst die Technik uns und unser Leben. Die Kommunikations- und Medientechnik ist Triebkraft für zunehmenden Egoismus. Sie unterstreicht, dass der Mensch alles der, jetzt und sofort haben will.

Der vernetzte Egoist will immer Erster sein.

Das Telefon war eine Generation früher noch ein Instrument, das geteilt werden musste. In der Familie, im Haushalt gab es - wenn überhaupt - einen Telefonapparat. Im Büro teilten sich mehrere Mitarbeiter ein Telefon. Heute hat jeder sein eigenes Telefon. Niemand würde sein Mobiltelefon mit einem Kollegen oder einem anderen Familienmitglied teilen.

Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Medien; mit dem Fernsehen, dem Radiohören und der Verwendung des Computers, der zum persönlichen Device wurde.

Machen elektronische Medien einsam?

Eine oft und lange abgehandelte Frage. Alle Arbeiter zu Hause vereinsamen, und Gruppenarbeit geht verloren. Hingegen entsteht eine neue Form der Zusammenarbeit, die internationaler ist. Virtuelle Arbeitsgruppen im Internet haben keine Grenzen und bringen Menschen aus vielen Ländern zusammen. Der Mensch befriedigt damit sein Fernweh. Das Arbeiten am Wohnort bzw. in der eigenen Wohnung, im eigenen Haus ist im Grunde genommen nicht neu, sondern in den letzten 150 Jahren verloren gegangen. Vor der Industrialisierung waren Wohn- und Arbeitsplatz ident.

Die Familie ist ein gutes Beispiel dafür, wie "vernetzte Egoisten" heranwachsen. Jeder geht individuell seiner Beschäftigung nach. Schon das Kleinkind geht in "seinen" Kindergarten, wie die Eltern jeweils in "ihr" Büro. Abends kommt man zum Schlafen zusammen. Auf Grund der Individualisierung der Freizeit, wird auch die "gemeinsame Schlafzeit" geringer. Die Familie zerfällt in zusammenlebende Individualisten.

Die Zeitachse zerfällt. Öffnungszeiten von Geschäften werden ausgedehnt und via Internet kann 24 Stunden pro Tag eingekauft werden. E-Government erlaubt es dem Bürger, zu jeder Tageszeit einen "Behördenweg" zu erledigen. "E-Learning" macht das Lernen unabhängig von Unterrichtszeiten und Telearbeit hat keine fixen Bürozeiten mehr. Der Mensch verliert fixe Anhaltspunkte auf der Zeitachse. Er hat so viele Freiheiten, dass es immer schwerer wird, sich zu orientieren. Der Mensch als Individuum wird neue Umgangsformen mit diesem - im Vergleich zu traditionellen Einteilungen - chaotischen Ablauf finden.

Der unabhängige Wissensarbeiter

Menschen müssen mit Unsicherheitsfaktoren leben. In Umständen des persönlichen "Überlebens" werden egoistische Eigenschaften in den Vordergrund treten ohne jedoch auf ein Netzwerk, auf die Hilfe anderer, die aber oberflächlich ist, zu verzichten.

Technik ist dazu ein Hilfsmittel. Sie erleichtert das Leben.

Die ersten Menschen hatten alle Handfertigkeiten. Alle konnten alles. Erst in späterer Folge kam es zur Spezialisierung und damit zur Arbeitsteilung. Gruppenarbeit war notwendig.

Im Bereich der Wissensarbeit gibt es einen Trend, der weg von der gruppendynamischen Arbeit geht. Computer stellen jedem alles zur Verfügung. Der Einzelne ist nicht mehr von anderen abhängig. Er kann eine Datenbank befragen. Der Einzelne hat so wie der Höhlenmensch wieder alle Fertigkeiten; zumindest was die Wissensverarbeitung betrifft, und die stellt den Großteil der heutigen Arbeit dar. Der Mensch kann heute unabhängig von anderen alleine arbeiten.

Kontakt

Prof. Dr. Johann Günther
Fachhochschule St. Pölten
Herzogenburgerstr. 68
3100 St. Pölten
Tel.: 02742 / 313228 10