Competence Circle Archiv
3. Competence Circle: Die Zukunft der IT-Dienstleistungen
Der bereits dritte Competence Circle der Oesterreichischen Computer Gesellschaft fand zum Thema "Die Zukunft der IT-Dienstleistungen" statt. Diesem für die Branche sensiblen Thema näherte sich Manfred Prinz, Vorstandsvorsitzender der CSC Austria, in seinem Vortrag mittels vieler Studien und zahlreicher Praxisbeispiele sowie persönlichen Lösungmöglichkeiten und Ausblicken.
Bericht von Mag. Manfred Prinz aus dem OCG Journal 1/2005:
Ausgangslage: massiver Strukturwandel
Aktuelle Studien haben ergeben, dass in der IT-Industrie in den USA zwischen März 2001 und April 2004 ca. 400.000 Jobs verloren gegangen sind. Auch nachdem man im November 2001 die Rezession für beendet erklärte, hörten die Arbeitsplatzprobleme nicht auf. Im Gegenteil: Etwas mehr als die Hälfte der Jobs ging erst ab Ende 2001 verloren. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass der Druck auf die Beschäftigten weiter steigen wird, weil Unternehmen nach wie vor Arbeitsplätze nach Asien verlagern. In Europa ist die Lage nicht viel anders: Der IT-Arbeitsmarkt ist sehr starken Veränderungen ausgesetzt. Verglichen mit Off-Shore-Anbietern in Indien, China aber auch in Osteuropa kosten IT-Mitarbeiter im US- bzw. EU-Raum sehr viel. Kunden bemühen sich daher, teure individuelle Leistungen durch Standard-Software, durch Verlagerung der Arbeit zu Outsourcing-Dienstleistern oder durch regionale Verlagerungen in Near-Shore-/Off-Shore-Gebiete zu ersetzen. Kostengünstige, messbare Erfolge sind gefragt! Der Marktforscher Gartner empfiehlt den CIOs, mehr Verantwortung auch für Themen außerhalb der IT zu übernehmen. Der CIO hat die Chance, zum „Innovationsmanager" zu werden.
In einer globalen Gesellschaft ist auch der Standort Österreich unter Druck.
Zwischen Outsourcern und Standardsoftware
Der Anteil von Standardsoftware und IT-Services an den gesamten IT-Ausgaben steigt. Die IT-Ausgaben insgesamt steigen weiter, auch wenn die Wachstumsraten seit dem Y2K- und Internet-Hype moderat geworden sind. Das Wachstum ist besonders stark bei Anwendungssoftware (Produkte) und beim Outsourcing (inkl. Application Management). Projektservices sind 2002 bis 2004 stagniert – die Erwartung mancher Analysten auf stärkeres Wachstum ab 2005 sind nur schwer nachvollziehbar. Für den einzelnen IT-Dienstleister ist die Frage, welche (weit verbreitete) Standardsoftware eine gute Basis für ITDienstleistungsgeschäfte bietet. Bringt „Open Source" neues Geschäft für den professionellen IT-Dienstleister?
China, Indien, Weißrussland - Off-shore als Erfolgsrezept
Im Jahr 2004 gab es eine Reihe von Ereignissen, die gezeigt haben, dass es zu einer teilweisen Verlagerung der IT-Kompetenz in den asiatischen Raum kommt. Indien, Pakistan und vor allem China entwickeln sich rasant – IT-Dienstleister mit tausenden Mitarbeitern und guter Kapitalausstattung entdecken nach den USA nun auch Europa als Markt.
Für den Standort Österreich verzögern Wirtschaftsstruktur und Projektgröße den Einsatz von Off-Shore-Kompetenz. Allerdings blicken wir nicht nur nach Asien, sondern auch nach Belgrad oder Kiew – kulturell und räumlich nahe finden wir im CEE-Raum gut ausgebildete Techniker. Die Chance für den Standort Österreich besteht im räumlichen Verbund!
Co-Kompetenzen: die Strategie der globalen Player
Die klassische IT-Beratung ist ein reifer Markt mit geringem Wachstum und niedrigen Deckungsbeiträgen. Globale Player entsinnen sich ihrer Stärken, bündeln Kompetenzen und formulieren Gesamtangebote. Strategieberatung, Technologieberatung, Personalmanagement und die Übernahme der Betriebsverantwortung – alles aus einer Hand. Der Kunde hat nur einen Ansprechpartner, der Dienstleister einen konjunkturunabhängig planbaren Kunden.
Globale Dienstleister wie CSC bauen auf langjähriger IT-Outsourcing-Kompetenz auf, übernehmen die Verantwortung für die Applikationen und gehen in Richtung neuer Angebote für die Abwicklung gesamter IT-naher Geschäftsprozesse. Auch wenn es keinen österreichischen Player von internationalem Format gibt, „produziert" heute jeder Anbieter überwiegend mit lokalen Ressourcen. Die Verlagerung einfacher Massenabwicklungen in „Fabriken" wird das mittelfristig ändern – der österreichische IT-Dienstleister (sowohl als Angestellter wie als Unternehmer) muss sich auf komplexe Aufgaben konzentrieren.
Mag. Manfred Prinz
Vorstandsvorsitzender CSC Computer Sciences Consulting Austria AG
Kontakt:
Tel.: 01/512 02 35-14 (Frau Leitner)






