Vom 19.-28. September 2007 veranstaltete die
Österreichische Computer Gesellschaft zum ersten Mal die Woche der Informatik.
Ziel dieser Veranstaltungsreihe war es, auf die Rolle der Informatik als Schlüsseltechnologie
des 21. Jahrhunderts hinzuweisen.
TAG DER INFORMATIKGESCHICHTE
Den Auftakt bildete der von OCG-Präsident
Univ.-Prof. Dr. Gerald Futschek
moderierte Tag der Informatikgeschichte, der im Technischen Museum Wien
stattfand. Dass, so Futschek, Geschichte nicht nur die Vergangenheit, sondern
auch die Zukunft impliziert, war aus den Vorträgen ersichtlich, die die
neuesten Entwicklungen aus unterschiedlichen Forschungsbereichen
widerspiegelten: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Berhard Rinner, Professor
für Pervasive Computing an der Universität Klagenfurt und Vorsitzender der
„International Conference on Distributed Smart Cameras“ (einer jener 10
Konferenzen, die parallel zur Woche der Informatik stattfinden), läutete den
Beginn der Informatik Keynotes ein, einer Vortragsreihe, die in der Woche der
Informatik ihren Auftakt findet und von nun an regelmäßig IT-relevante Themen
auf allgemein verständliche Weise behandeln wird.
Die
intelligente Kamera
In seinem anschaulichen Vortrag beleuchtete Rinner
das Thema der intelligenten Kameras, welche den Alltag gemeinsam mit Pervasive
Computing immer stärker durchdringen und ein attraktives Forschungsgebiet
darstellen. Intelligente Kameras können dank ihres On-Board-Computers nicht nur
untereinander kommunizieren, sondern auch abstrahierte Daten liefern und bieten
somit eine Lösung für die Speicherung und Analyse der enormen Fülle an von den
Kameras gewonnen Daten.
Univ.-Prof. Dietmar Dietrich (TU Wien)
schilderte in seiner fächerübergreifenden Präsentation die Möglichkeiten,
welche das psychoanalytische Modell des mentalen Apparats für den Bereich der
Automation (speziell im Bereich der Künstlichen Intelligenz) bietet.
Zukunft
ist Geschichte
Computerpionier und OCG-Mitbegründer Univ.-Prof.
Dr. Dr. h.c. Heinz Zemanek sprach über „Die Entwicklung der Informatik“,
die er auf
augenzwinkernde Weise mit seiner eigenen Lebensgeschichte verknüpfte, welche
von der Globalisierung und Digitalisierung geprägt war. Auf einem
abschließenden Gang durch die exklusiv für die OCG-Veranstaltung geöffnete
Ausstellung medien.welten gab Zemanek schillernde Anekdoten zum Besten, unter
anderem zu seinem legendären Mailüfterl, dem ersten volltransistorischen
Computer Europas.
Wenn die Zukunft ein Teil der Geschichte der
Informatik ist, wie denkt Zemanek dann über diese? Was die Hardware betrifft,
so sieht er den nächsten Schritt im Lichtcomputer, der Quantencomputer ist für
ihn erst der übernächste Schritt. Darüber hinaus wies auf die politischen
Implikationen von Verbindungen hin, bei denen über das Internet nicht nur
kommuniziert wird, sondern online erhaltene Befehle auch tatsächlich ausgeführt
werden.
TAG DER FORSCHUNGSZENTREN
Der zweite Tag der Woche der Informatik, der im
Wiener Media-Tower abgehaltene Tag der Forschungszentren, war
neben verschiedenen Vorträgen von Vertretern der Forschungszentren SCCH, EC3
und ARC durch anregende, verblüffend einmütige und vor allem gut besuchte
Podiumsdiskussionen geprägt. Darüber hinaus bot der Ausstellungsbereich mit
Ständen von elf der wichtigsten heimischen IT-Forschungszentren, die ihre
Organisationen sowie laufende Projekte vorstellten, einen guten Überblick über
die heimische Szene.
Förderung
für Spitzenforschung
Die Teilnehmer an der von Oliver Lehmann, dem
Chefredakteur von LW Media, moderierten Podiumsdiskussion zum Thema „Rahmenbedingungen
für außeruniversitäre Spitzenforschung in Österreich“ vertraten die
verschiedenen Ebenen der Forschungsförderung: Dr. Maria Bendl (BMWA) repräsentierte den ministerialen Bereich, Mag. Eva
Czernohorszky vom ZIT (Zentrum für Innovation und Technologie) die Stadt
Wien, Barbara Kunz von der FFG (Österreichische
Forschungsförderungsgesellschaft) die anwendungsorientierte Forschung, und
Prof. Dr. Thomas
Eiter vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung) sprach für die Grundlagenforschung. Wie viel von den 6,8 Mrd. Euro
an jährlichen Forschungsausgaben (2,54% des BIP) auf IT-Förderung entfallen,
ist schwer auszumachen, da die Informationstechnologie einen wesentlichen
Bestandteil aller geförderten Projekte ausmacht. Einigkeit herrschte darüber,
dass in Österreich bei der Finanzierung von Risiko-Projekten
Verbesserungsbedarf besteht.
Informationsflut
und -filter
Dr. Gertraud Leimüller, Geschäftsführerin
der Winnovation Consulting GmbH, Dr. Werner Wiedermann (F&E in der
Mobilkom Austria AG), Dipl.-Ing. Georg Stonawski, Geschäftsführer des
VRVis (Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH) und Dr. Peter
Reichl, Key Researcher im Forschungszentrum Telekommunikation Wien (ftw),
diskutierten unter der Moderation von economy-Herausgeber Christian Czaak
über „Information
im Überfluss“. Gesprächspunkte waren der Umgang mit den neuen Medien und
die oft zu beobachtende Vernachlässigung von realen Kontakten. Während sich
mancher Teilnehmer bereits den digitalen Daten-filternden Klon zu
Abschottungszwecken ausmalte, wiesen andere Diskutanten auf die
Selbstverantwortung bezüglich Information und die Offenheit für neue Kanäle
hin.
Der
wandernde Akt
Die Patienten-begleitende „Elektronische
Gesundheitsakte ELGA“, die 2012 implementiert werden soll, sieht die Vernetzung
von digitaler Information im österreichischen Gesundheitswesen vor. Die
Teilnehmer an der abschließenden Podiumsdiskussion zu diesem Thema – Dr. Thomas
Mück, Stellvertretender Generaldirektor der SVA, Univ.-Prof. DDr. Wolfgang
Dorda von der Medizinischen Universität Wien, Dr. Waltraud Kotschy,
Österreichische Datenschutzkommission, Dr. Elisabeth Stiller-Erdpresser,
Siemens AG, und Univ.-Prof. A Min Tjoa von Secure Business Austria (SBA)
– betrachteten insbesondere die Grundfunktionen von ELGA. Die Moderation hatte
erneut Oliver Lehmann über.
Was konkrete Zahlen über Kosten und Termine sowie die Verwendung des gewonnenen
Datenmaterials betrifft, das anonymisiert für wissenschaftliche Zwecke
freigegeben werden könnte, so erscheint ELGA als ein noch wenig greifbares
Projekt. Über die Bedeutung von Patientendatenschutz und exzellenten
Filterfunktionen (die es dem Arzt erleichtern sollen, relevante Daten in der
Informationsfülle von ELGA zu finden) herrschte jedoch kein Zweifel.
TAG DER WIRTSCHAFT
Am 24. September fand der Tag der Wirtschaft statt, der eine Kooperationsveranstaltung
der Österreichischen Computer Gesellschaft, der Wirtschaftskammer Wien (WKW)
und des Verbands Österreichischer
Software Industrie (VÖSI) darstellte. „3 Jahre EU-Erweiterung: Die neuen Länder
und die österreichische IT – Gefahren oder Chance?“ war das Motto der
Veranstaltung, die in der Wirtschaftskammer Wien abgehalten wurde. Eröffnet
wurde der dritte Tag der OCG-Woche der Informatik von der Präsidentin der
Wirtschaftskammer Wie, KommR Brigitte Jank. Die Keynote-Rede hielt Minister
Werner Faymann vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und
Technologie, das mehr als 60 verschiedene IT-Projekte unterstützt. Faymann
betonte die maßgebliche Rolle der Informationstechnologie für die Wirtschaft
und die Bedeutung eines einfachen Zugangs zur IT-Infrastruktur für alle Bevölkerungsgruppen.
Die Zukunft von Österreichs Software-Industrie sieht Faymann vor allem im
Gesundheitsbereich.
Nicht nur ein Zusatz zu Bayern
Die Frage, ob die Ostöffnung eine Gefahr oder Chance für ihre
Unternehmen darstellt, beleuchteten Dr. Albert Felbauer, CEO von Siemens
IT-Solutions and Services (SIS) und Mag. Manfred Prinz, CEO
Computer Sciences Consulting Austria (CSC), in ihren Themenvorträgen. SIS, das
aus Siemens PSE und SBS entstanden ist, expandierte bereits in den achtziger
Jahren nach Südosteuropa. Heutzutage würden die heimischen Arbeitsplätze durch
die osteuropäischen gesichert. Diese positive Sicht teilt Prinz, der erklärt,
dass Österreich, das früher von internationalen Konzernen als „Zusatz zu
Bayern“ betrachtet wurde, erst mit der Ostöffnung zu angemessener Beachtung gekommen
wäre.
Kein eigenes IKT-Ministerium
Die anschließende Diskussion war
hochkarätig besetzt: Mittelpunkt des Podiums war Staatssekretärin Heidrun Silhavy
(Bundeskanzleramt), die eines der zentralen Themen der Veranstaltung
ansprach: die Forderung nach einer zentralen Stelle für IT-Belange in
Österreich, die vor allem von Alfred Harl, Obmann der in der
Wirtschaftskammer angesiedelten Fachgruppe Unternehmensberatung und
Informationstechnologie (UBIT), und Prof. Ing. Peter Kotauczek,
Präsident des VÖSI und CEO der BEKO Holding AG, vertreten wurde. Silhavy sprach
sich für eine stärkere Bündelung von Kompetenzen aus, betonte aber auch, dass
bei einem alle Lebensbereiche durchdringendem Thema wie IKT kein eigenes
Ministerium sinnvoll sei.
Rolle der Politik
Silhavy betonte die Bedeutung von E-Goverment, das sie als Kick-off
bezeichnete, um Menschen für Technologie zu interessieren, und die Rolle der
öffentlichen Verwaltung als Türöffner für Exportgeschäfte. KR Robert Bodenstein, Vorsitzender des
UBIT-Steering Committees, wies auf die Wichtigkeit der Schaffung einer
realitätsnäheren IT-Ausbildung hin, die den Blick auf die Programmierung und
Optimierung von betrieblichen Abläufen richten sollte. Felbauer verlangt von der Politik in erster Linie,
Themenführerschaft – vor allem im vielfach erwähnten E-Health-Bereich – zu
schaffen.
Chance oder Gefahr?
Was das Kernthema des Tages betraf, so erkannte OCG-Präsident
Univ.-Prof. Dr. Gerald Futschek
„Chancen aus Gefahren heraus“, wies jedoch auch auf den kritischen Mangel
an qualifizierten Arbeitskräften hin. Prinz,
der diese Bedenken teilte, betonte die Wichtigkeit, den Zuzug nach und
Aufenthalt in Österreich für ausländische Fachkräfte so einfach wie möglich zu gestalten.
it&t business-Herausgeber Mag. Heinrich Nikoll warnte davor, auf das wirtschaftliche Ungleichgewicht
zwischen den alten und den neuen EU-Ländern zu bauen: Durch die Anpassung von
Gehältern würden die derzeitigen Vorteile bald wieder wegfallen. Hochqualifizierte
Arbeitsplätze mit starkem Kundenbezug – hierüber herrschte unter den Diskutanten
Einigkeit – sind jedoch durch die
Ostöffnung nicht gefährdet.
Durch die Diskussion führte Edmund
Lindau, Chefredakteur der Computerwelt.
TAG DER INFORMATIKFORSCHUNG
Der Tag der Informatikforschung fand
am 25. September an der Technischen Universität Wien statt. „Informatikforschung in Österreich: IT als
Motor des Wirtschaftswachstums“ lautete der Titel und somit
auch die zentrale Frage der Veranstaltung, die durch OCG-Präsident Univ.-Prof.
Dr. Gerald Futschek und o.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Franz
Rammerstorfer (Vizerektor für Forschung der TU Wien) eröffnet wurde.
Die von Univ.-Prof. Dr. Gerti Kappel
(TU Wien) moderierte Podiumsdiskussion war ebenso erstrangig besetzt wie jene
des Vortages und brachte auch einige dort angesprochene Themen erneut aufs
Tapet: das scheinbare Spannungsfeld von angewandter und Grundlagenforschung,
die – gegebene – Daseinsberechtigung der Grundlagenforschung und die
Attraktivität Österreichs für internationale IT-Fachkräfte, die durch
Erleichterungen von staatlicher und universitärer Seite verstärkt werden
sollte.
Für eine Schwerpunktsetzung der Förderung auf einzelne Forschungsrichtungen
sprach sich Dr. Daniel Weselka vom Bundesministerium für
Wissenschaft und Forschung aus. Er warnte jedoch auch davor, immer nur auf die
Stärksten zu setzen, da nicht absehbar sei, welche Forschungsbereiche in Zukunft
reüssieren würden – und das wahre Problem sei ohnedies nicht im finanziellen
Bereich angesiedelt, sondern in der Akquirierung von klugen Köpfen. „Geld kann
nicht forschen“, so Weselka.
Univ.-Prof. Dr. Bruno Buchberger (Research Institute for
Symbolic Computation) plädierte für eine Geldspritze für ein rund um die
Forschungsindustrie organisiertes „Austrian IT Research Institute“ mit Ablegern
in Osteuropa, das ein internationales PhD-Programm zwecks Brain-Gain und ein kostenpflichtiges
Bachelor- bzw. Master-Programm zwecks Teilfinanzierung anbieten sollte. Eine Million
Euro, die in die Forschung investiert werden, bringen laut Buchberger 30
Millionen Euro für die Wirtschaft.
Der in Oxford lehrende Univ.-Prof. Dr. Georg Gottlob verglich
die österreichische Forschungslandschaft mit der britischen. Im Unterschied zu
Österreich würden die einzelnen Fachbereiche in Großbritannien einer
regelmäßigen Bewertung unterzogen, deren Ergebnisse über die Höhe der
staatlichen Förderung bestimmt. Die Klasse der Publikationen geht hier – anders
als in Österreich – vor Masse, und die Koordination mit der Wirtschaft ist wesentlich
intensiver, was sich an zahlreichen Stiftungsprofessuren zeigt.
Sabine Fleischmann, Geschäftsführerin von Sun Microsystems
Österreich, schilderte die Schwierigkeiten für Unternehmen, Einblick in Österreichs
heterogene Forschungslandschaft zu gewinnen: Clusterungen (wie im Fall des Software-Parks
Hagenberg) wäre ihrer Ansicht nach förderlich. Hinsichtlich der Relation
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sieht sie eine inhaltliche Überschneidung von
Forschung und jenen Unternehmen, die Innovationen auf den Markt bringen. „Forschung
ist nie ohne Sinn und Zweck“, sagt Fleischmann.
Die Zahlen zur Diskussion lieferte Mag. Dr. Hannes Leo vom Österreichischen Institut für
Wirtschaftsforschung: Während in den Jahren von 1995 bis 2004 ca. 0,5% der
europäischen Wachstumsrate auf den IT-Sektor zurückzuführen war, konnte in den
USA 1% auf diesen Bereich verbucht werden. (In Österreich macht IKT 0,6% der 2,4-prozentigen
Wachstumsrate aus.) Der Unterschied lässt sich mit der intensiveren IT-Nutzung der
Dienstleistungsunternehmen aufgrund des schärferen Wettbewerbs in den USA erklären.
TAG DER BILDUNG
Drei Parallelveranstaltungen fanden am 27. September, dem Tag der
Bildung, statt:
IKT im Bereich der Pflichtschule
lautete das Motto des in der Kooperativen Mittelschule Feuerbachstraße
abgehaltenen Informationsnachmittags, bei dem die Themen IT Kompetenz als Schwerpunkt der
EU-Bildungsinitativen und IKT in allen Fachbereichen
präsentiert wurden.
In den Räumlichkeiten der OCG informierten zur gleichen Zeit die
Computer Gesellschaft, der Verein IT in der Bildung, der HERDT Verlag und
bitmedia e-Learning solution über die Rolle von nationalen und internationalen IT-Zertifikaten im Bildungswesen. Zertifikate
als Unterscheidungskriterium, das neue Markenzeichen für jede Schule war
hier das Thema.
Darüber hinaus stellte sich die Fachhochschule Technikum im Rahmen
einer groß angelegten Informationsveranstaltung vor. Vizerektor FH-Prof. DI Christian Kollmitzer präsentierte das Bildungsangebot
der FH Technikum Wien, das insgesamt 27 Bachelor- und
Master-Studiengänge beinhaltet. Das 1994 gegründete Technikum zählt 2.500
Studierende, die ihre Ausbildung entweder als Vollzeitlehrgänge oder in
berufsbegleitender Form absolvieren. Die Fachhochschule, deren Studiengänge auf
Elektronik, Informatik und Maschinenbau aufbauen, setzt auf eine enge
Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie, bei denen auch die
verpflichtenden Praktika absolviert werden können. Auf diese Einführung folgte eine Führung durch das Gebäude, bei der
sowohl Studenten als auch Lehrende ihre Lehrgänge vorstellten. Ein konkretes
Bild wurde anhand von einzelnen Projekten vermittelt: In Bio-Medical Engineering wird
Software für e-card-Anwendungen geschrieben, die Elektronik Bachelor-Studenten
beschäftigen sich unter anderem mit elektronisch gesteuerten Autos, und im
Masterstudiengang Embedded Systems wird ein inverses Pendel so programmiert,
dass der Pendelstab durch Bewegung des an ihn gekoppelten Wagens aufrecht
bleibt. Es folgte der Besuch von zwei Labors: Im Software-Usability-Labor wurden mithilfe eines Eyetracking-Systems
die Augenbewegungen eines Probanden beim Betrachten von Bildern gefilmt, und im
Security Labor wurde ein Cross Site
Scripting-Angriff auf einen Server demonstriert. Abschließend referierte der
Stellvertretende Studiengangsleiter DI Dr. Stefan
Sauermann
über Berufsbegleitendes Studieren –
Angebote und Möglichkeiten für lebens- und berufsbegleitendes Lernen an der FH
Technikum Wien.
TAG DER MEDIEN
Der Tag der Medien fand am 28. September in der Telekom
Austria statt und bildete eine Abrundung der Woche der Informatik. Durch die Veranstaltung
führte erneut OCG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Gerald Futschek.
Der erste
Vortragsblock, der Die Zukunft der digitalen Medien behandelte,
wurde von Ing. Franz Fertl
(Telekom Austria AG) eingeleitet, der einen allgemein gehaltenen Einblick in
die derzeitige Übergangsphase Von der Medienkonsumation zur
Medienproduktion vermittelte. IP TV und Web 2.0 bieten die
Möglichkeit, User-generierten Content aufzuarbeiten und zum User
zu transportieren.
Laut DI Dr. Helmut Malleck und DI Wolfgang Reichl von der ÖFEG (Österreichische Fernmeldetechnische
Entwicklungs- und Förderungsgesellschaft) hat Die Zukunft der
Kommunikation schon begonnen: Das IP Multimedia Subsystem IMS bildet
eine Zip-basierte Konvergenzplattform, die eine Trennung zwischen
Datenübertragung und Datenverarbeitung vorsieht und Internet, TV, Telefon
integriert.
In der Vortragseinheit Multimediaarchive und Second Life gewährten
Ing. Gerald Bossert-Stumvoll und Mag. (FH) Ingo Peitler (APAIT)
einen Blick hinter die Kulissen, als sie das multimediale Archiv der
österreichischen Medien vorstellten. Die
Nachrichtenagentur bietet Usern Zugang zu ihrem 100 Mio. Dokumenten-Archiv, das
mit Powersearch-Funktionen durchsucht werden kann. Dazu zählen Clusterung,
Visualisierung und künftig auch Spracherkennung und Instant Overview Maps.
Web 3D - Ein Streifzug durch Second Life lautete
das Thema, das Univ.-Prof. Dr. Dieter Merkl (TU Wien) für seinen Vortrag
gewählt hatte, und dementsprechend führte er die Zuhörer an Orte, die
interessante wirtschaftliche Möglichkeiten dieser virtuellen Plattform
darstellen. Durch die bidirektionale Kommunikation kann der Anbieter mit
dem Konsumenten in Verbindung treten, und die Grenzen zwischen virtueller und
realer Wirtschaft verschwimmen zunehmend.
Dr. Dietrich Schüller von der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften warf einen allgemeinen Blick auf Probleme und Strategien
der langfristigen Erhaltung des audiovisuellen Kultur- und Wissenserbes.
Das bekannteste Problem ist die Instabilität von Datenträgern, Schüller betonte
jedoch den noch gravierenderen Mangel an Geräten, Ersatzteilen, Zubehör und
nicht zuletzt Expertise. In Europa befinden sich 80% der kulturell relevanten
Bestände außerhalb von Archiven.
Dass auch bei der Langzeitarchivierung der Teufel im Detail
steckt, erklärte Dr. Rainer Hubert am Beispiel eines audiovisuellen Archivs,
nämlich jenes der Österreichischen Mediathek. Unter den 250.000
Trägern seines Bestands konnten Datenverluste bislang vermieden werden, doch
der Aufwand ist hoch: 2007 steht die Mediathek zum dritten Mal innerhalb
weniger Jahre vor einem Systemwechsel.
Zum Thema Langzeitsicherung
im Videobereich lieferte Christoph Bauer
einen Situationsbericht aus dem Fernseharchiv des ORF.
Hier werden mehr als 5 Mio. in verschiedenen Formaten vorhandene Datensätze
nach Kriterien der historischen Relevanz und Wiederverwertung selektiert und
archiviert. Begleitet wird der ORF dabei vom EU-Forschungsprojekt PrestoSpace,
das unter anderem die Bereiche Erhaltung, Restaurierung,
Archivierungsmanagement abdeckt.
Artificial Intelligence im Medienbereich hieß die Vortragsserie, die DI Dr. Johannes Matiasek
(OFAI) mit seiner Präsentation eröffnete. Ein automatischer Assistent bewertet Userkommentare bei
derStandard.at und
hilft so mit, die Anforderungen des Web 2.0 zu bewältigen: Bei durchschnittlich
7.000 User-Postings täglich ist eine digitalisierte Bearbeitung unverzichtbar,
mit deren Hilfe alle unbedenklichen Beiträge freigeschaltet
werden können.
Entlang der zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen
Informatik, Künstlicher Intelligenz und Musik bewegte sich Univ.-Prof.
Dr. Gerhard Widmer (Universität Linz, OFAI) im Rahmen seines
Keynote-Vortrags Computer lernen Musik zu verstehen. Mithilfe von
Artificial Intelligence wird unter großem Aufwand der intuitive menschliche
Zugang zur Musik nachgebildet. Neben Einblicken in das Wesen der Musik
liefert das neue Forschungsgebiet MIR (Music Information Retrieval) auch
zahlreiche innovative Anwendungsmöglichkeiten.