English| ECDL|
Home| Themen| Zertifikate| Testsysteme| Veranstaltungen| Wettbewerbe| Publikationen| Service|
 

IT4her

direkt zu >

NEWS
RSS Feed öffnet in einem neuen Fenster

17. 01. 2012: 
OCG Horizonte zum Thema "Facebook & Privacy" mit Max Schrems
...mehr

18. 01. 2012: 
IT Service Management Workshop im Rahmen des INNOTRAIN IT Projekts
...mehr

IT4her - Karrieren

Univ-Doz. Dr. Maria Wimmer

Univ.-Doz. Dr. Maria A. Wimmer

Portrait

Von einer kaufmännischen Ausbildung zum Informatikstudium

Die habilitierte Informatikerin Maria A. Wimmer hat in ihrer Laufbahn einen eher seltenen Weg eingeschlagen. Nach der Hauptschule absolvierte sie eine Handelsakademie und war danach vier Jahre als kaufmännische Angestellte tätig. Die letzten beiden Berufsjahre vor ihrem Studiumsbeginn war sie gewerberechtliche Geschäftsführerin und Vertriebsleiterin in einem Großhandelsbetrieb der Computerbranche in Linz. Dies war auch ihr ausschlaggebender Kontakt mit Hard- und Software und somit mit der Informatik.

1992 begann Maria Wimmer das Studium der Informatik, welches sie in der Mindeststudiendauer von 10 Semestern erfolgreich abschloss.

Lebenserfahrungen im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes in Italien

Während der Diplomarbeit knüpfte Frau Wimmer im Rahmen eines ERASMUS Aufenthaltes an der Vrijen Universiteit Amsterdam Kontakte mit Prof. Gerrit van der Veer. Dieser Kontakt führte in Folge zu einem 2-jährigen Forschungsaufenthalt in Italien im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes (OLOS – Holistic Design in Safety-critical Systems). Als italienische Projektpartner waren das Forschungszentrum CNR (National Research Council), die Universität Siena (Multimedia Communication Laboratory) und die Italienischen Eisenbahnen FS (Ferrovie dello Stato) ihre Forschungsstätten. Somit lebte Frau Wimmer in Rom und pendelte stets auch zwischen Rom und Siena.

Der Forschungsaufenthalt war eine wichtige Prägung im Aufbau des wissenschaftlichen Betätigungsfeldes von Maria Wimmer. Im Rahmen der Arbeitsplatzstudien am Zugverkehrsleitstand Rom Termini sowie den wissenschaftlichen Brutnestern CNR (Institute of Psychology) und MCL (Multimedia and Communications Design) wurde ein benutzerorientierter Designansatz mit Integration sowohl technischer wie auch psychologischer und organisatorischer Aspekte als Grundstein für ihre weiteren Arbeiten gelegt. Alternative Methoden der Systemgestaltung wurden sowohl theoretisch als auch praktisch in ihren Studien im Kontrollzentrum der Bahnstation Roma Termini angewandt. Im Rahmen der Arbeitsplatzstudien (Analyse der Arbeitspraktiken und der eingesetzten Tools in der Kontrolle des Zugverkehrs auf den Strecken Rom – Florenz, Rom – Grosseto und Rom – Cassino) wurden Methoden wie Audio- und Videoanalyse, Ethnographie, freie Beobachtung und Interviews eingesetzt. In den Phasen der Anforderungsspezifikation und des Grobdesigns verwendete sie hauptsächlich Szenarien, Mock-ups und frühe Prototypen, da diese Designartefakte die Kommunikation mit den Benutzern (Fahrdienstleiter) wesentlich vereinfachten, relativ einfach zu erstellen waren, und die Modellierung verschiedener Aspekte des Arbeitsumfeldes ermöglichten. Interaktive und kollaborative Faktoren konnten dadurch sehr gut repräsentiert werden.

Das Erleben einer anderen Tradition und Kultur, das Erlernen einer Fremdsprache, sowie das Überleben in einer ihr bis dato fremden Mentalität waren für Maria Wimmer eine Schule für’s Leben. Doz. Wimmer bezeichnet diese Erfahrung als 'eine Grenze überschreiten und zu neuen Einsichten gelangen'. Der enormen Herausforderung einer anderen Kultur und Umgebung stellte sie sich anfangs wohl nichtsahnend. Am Ende genoss sie diese sichtlich und sie möchte keine Minute davon missen. Maria Wimmer kann diese Auslandserfahrung allen wärmstens empfehlen!

Von sicherheitskritschen Systemen zu E-Government

Die theoretischen und praktischen Arbeiten zu alternativen Techniken in der System- und Arbeitsplatzanalyse führten schließlich zur Dissertation, welche sie im Jahr 2000 - drei Jahre nach dem Studienabschluss - am Institut für Angewandte Informatik an der JK Universität Linz einreichte.

Im August 1999 kehrte Frau Doz. Wimmer von Italien nach Linz an die JK Universität zurück. Sie arbeitet seitdem am Institut für Angewandte Informatik, Abteilung für Informatik in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft (BAS). Die Abteilung von Prof. Traunmüller hat ihren Schwerpunkt im Bereich Verwaltungsinformatik und E-Government. So hat sich der Forschungsinhalt von Frau Wimmer ebenfalls von sicherheitskritischen Systemen zum Bereich E-Government verlegt. Auch wenn der Anwendungsbereich der öffentlichen Verwaltung viele andere Anforderungen hat, ist doch der ganzheitliche Ansatz (Integration von Mensch – Organisation – Technik – Prozesse) auch auf die Verwaltungsinformatik anzuwenden. 

Seit 1999 vertieft Frau Wimmer ihre Expertise in E-Government. Ihre Publikationen wiederspiegeln dabei die Grundausbildung eines holistischen (ganzheitlichen) Zuganges zu sozio-technischen Systemen. Der Einsatz von IT in der Öffentlichen Verwaltung wurde zum In­halt ihrer wissenschaftlichen Aktivitäten. Den breiteren, multidisziplinären Background ihrer Tätigkeit in Rom versucht sie auf das Gebiet Verwaltungsinformatik und des E-Governments anzuwen­den. Die Schwerpunkte können wie folgt zusammengefasst wer­den:

  • E-Government allgemein: Begriffliche Einordnung, Anwendungsfelder, Strategien
  • ganzheitliches Rahmenkonzept für E-Government in drei Dimensionen: Abstraktions­ebenen von sozio-technischen Systemen, Phasen der Prozessabwicklung, Sichten auf  sozio-technische Systeme
  • Vorgehen bei der E-Government Systementwicklung: Erfolgsfaktoren, Umsetzung von Projekten von der Strategie über die Implementierung zum Betrieb, Prozessperfor­mance-Analyse und Feedback-Loop
  • integrierte Prozessmodellierung in E-Government: Lebenslagen-Konzept, integrierte Mo­dellierung von Bürger- und Verwaltungssicht
  • Standardisierung und Interoperabilität in E-Government: von der Datenstandardisie­rung über Systeminteroperabilität bis hin zur semantischen Standardisierung
  • One-stop Government: Anforderungsanalyse, Prozessmodellierung, one-stop Govern­ment Schichtenarchitektur, Standardisierung und Interoperabilität, Evaluierung
  • Sicherheit in E-Government Systemen: ganzheitliches Denken, Sicherheitsmodelle pa­rallel zu den Prozessmodellen
  • Benutzereinbindung in der Entwicklung und Benutzer-freundliches Design von E-Go­vernment Systemen: „one interface for all“ vs. Personalisierung und Zielgruppen-orientierte Portalgestaltung
  • Wissensmanagement in E-Government: der Weg der Öffentlichen Verwaltung in die Wissensgesellschaft.

Ein integratives Framework für E-Government veröffentlichte sie im Rahmen ihrer Habilitation Anfang 2003.

E-Government: ein Reigen an Aktivitäten

Zu den vielen Aktivitäten von Frau Doz. Wimmer gehören die Teilnahme an nationalen und internationalen Forschungsprojekten wie

  • das EU-Projekt eGOV (http://www.egov-project.org) im 5. Rahmenprogramm (Ziel war die Entwicklung einer integrierten Plattform für online one-stop Government)
  • das FFF-Projekt ADOamt (http://www.adoamt.com) mit der BOC ITC GmbH Wien (Ziel ist die Entwicklung eines Geschäftsprozessmodellierungswerkzeuges für die öffentliche Verwaltung auf ganzheitlicher Basis)
  • Mitarbeit in einer Ad-Hoc Expertenrunde der UNPAN zum Thema „Wissenssysteme in Entwicklung“ (siehe http://www.unpan.org/dpepa-kmb-ksranda.asp)
  • Expertise im Rahmen der Studie „E-Government in Europe: The State of Affairs“ der Europäischen Kommission präsentiert bei der eGovernment 2003 Konferenz in Como (IT)

Die Forschungsergebnisse aus diesen Projekten präsentiert sie im Rahmen von Publikationen und Fachvorträgen bei verschiedensten nationalen und internationalen Konferenzen und Workshops. Eine Liste an Publikationen ist unter http://falcon.ifs.uni-linz.ac.at/research/publications/wimmer.html verfügbar. Maria Wimmer (co)organisiert auch selbst eine Reihe von wissenschaftlichen Veranstaltungen. Dazu gehören:

  • die jährliche internationale Konferenz „Knowledge Management in E-Government“ (KMGov) der IFIP, Arbeitsgruppe 8.5
  • die jährlichen e|Gov Days und Eastern European e|Gov Days der Oesterreichischen Computergesellschaft, Forum E-Government
  • die jährlichen Workshops zu Prozessmodellierung im Rahmen der Internationalen Rechtsinformatik Symposien in Salzburg

Eine Liste aktueller und kürzlich abgehaltener Veranstaltungen des Institutes ist unter http://falcon.ifs.uni-linz.ac.at/news/news.html verfügbar.

Frau Doz. Wimmer ist Mitglied in verschiedenen (inter)nationalen wissenschaftlichen Gremien wie IFIP, ACM, IEEE, GI und OCG. Sie ist stellvertretende Leiterin des Forum E-Government der OCG (http://egov.ocg.at/) und der IFIP WG 8.5 (http://www.ifip.or.at/). Vor kurzem wurde sie in den Vorstand der OCG kooptiert, wofür sie sich hiermit auch herzlich für das ihr entgegengebrachte Vertrauen bedankt.

Als Mitarbeiterin am Institut für Angewandte Informatik ist sie mit Lehrtätigkeiten beauftragt. Sie hält Vorlesungen und Seminare zu E-Government und zu Wissensmanagement. Weiters betreut sie eine Reihe von Projekt- und Diplomarbeiten.

Nicht zuletzt ist Frau Wimmer aktiv in der Vernetzung von E-Government Kompetenzen auf europäischer Ebene tätig. Ein hehres Ziel ihrer Tätigkeit ist es, ein europäisches „Network of Excellence in E-Government“ aufzubauen.