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Gesellschaft & Kultur > Kulturerbe-Workshop

Abstract: Rudolf Gschwind, Universität Basel

Digitalisierung und Langzeit-Archivierung fotografischer Sammlungen: Empfehlungen des Schweizerisches Kulturgüterschutzes

Betrachtet man Farbaufnahmen nach Jahren wieder einmal, so stellt man mit Schrecken fest, dass die Farben ganz und gar nicht mehr dem Bild von einst entsprechen. Die Farben sind weg, jedenfalls ist das Bild in diesem Zustand nicht mehr zu gebrauchen.

Die Anwendung digitaler Bildverarbeitungsmethoden erlaubt derartig ausgebleichte Farbfotografien farblich zu rekonstruieren. Die Bedeutung der digitale Restaurierung geht jedoch über den wissenschaftlichen Aspekt hinaus, denn es ist eine einzigartige Methode zur Erhaltung des fotografischen Kulturgutes, seien dies nun Bildarchive in Museen oder auch ganz persönliche Erinnerungsbilder. Diese Methode lässt sich mit Erfolg auch auf Kinofilm anwenden.

Eine neue Aufgabe stellt sich für den Kulturguterhalt bei der Digitalisierung. Die „Zerfallskurve“ digitaler Daten unterscheidet sich stark vom  Zerfall analoger Daten (z.B. Fotografien). Analoge Daten zeigen eine kontinuierliche Qualitätsverschlechterung, die durch optimale Lagerung zwar verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden kann. Digital gespeicherte Information ist entweder lesbar und damit ohne Qualitätsverlust verfügbar, oder die Information ist unlesbar und damit „vollständig zerfallen.

Die extreme Schnelllebigkeit der Informatik-Industrie, die kurzen Produktzyklen von Hard- und Software sind zurzeit das eindeutig größte Problem bei der Archivierung. Man rechnet bei Computern und Datenspeicher mit einem Produktzyklus von 1 – 2 Jahren!

Die Speicherkapazität wird zwar immer höher und die Computer immer schneller, aber: Das führt zu Problemen bei der Kompatibilität bei Speichermedien, wenn ein neuer Nachfolgetyp auf den Markt gebracht wird. So ist heute mit einer Systemlebensdauer von 5 – 7 Jahren zu rechnen! Die gespeicherten Daten werden unlesbar, nicht weil das Medium kurzlebig ist, sondern weil die Systemwechsel so schnell sind!

Dennoch, um die langfristige Verfügbarkeit von digitalen Daten, resp. Information in digitaler Form zu gewährleisten, lohnt sich ein Vergleich mit der Schrift. Betrachten wir die Geschichte, so sehen wir, dass ein großer Teil unseres Kulturgutes und unseres Wissens in Form von Schriftgut überliefert wurde und wird.
Dieses Wissen hat die Jahrhunderte überlebt:

Es wurde in symbolisch kodierter Form erstellt (Text, Buchstaben)

Die Bücher und Texte wurden regelmäßig kopiert und abgeschrieben, man wird dadurch unabhängig vom Medium. Die Qualität des Mediums ist von sekundärer Bedeutung, solange der “Code” noch dekodiert werden kann.

Die Information wurde verbreitet. Vor allem nach Erfindung der Buchdruckes durch Gutenberg fand eine Massenverbreitung der Information statt.

Schrift enthält viel Redundanz, sodass auch bei einem Zerfall des Mediums der Text immer noch gelesen werden kann. D_ese_ Te_t k_nn noch_gel_sen _erd_n!

Die Digitalisierung von Dokumenten und Bildmaterialien aller Art hat für diese prinzipiell die gleiche Bedeutung wie die Schrift und die Druckkunst für die Sprache: Zum ersten Mal ist es möglich, Orginale dieser Art, z.B. Bilder in symbolischer Form (als Zahlenbündel) zu kodieren und diesen Code immateriell zu transportieren und zu replizieren. Die digitale Revolution kann als echte Revolution angesehen werden, da sie in einem gewissen Sinne Ort und Zeit bedeutungslos werden lässt und den Begriff des Unikats abschafft. Der Schrift entspricht die symbolische Kodierung, während die durch die Digitalisierung mögliche Massenverbreitung analog zur Bedeutung Buchdruckkunst in der Sprache ist. Die Eigenschaften jedes digitalen Codes und somit aller digitalen multimedialen Daten sind also wie folgt:

Der digitale Code ist prinzipiell unabhängig vom Medium, worauf er fest gehalten ist. Das Medium ist beliebig austauschbar (auch wenn z.B. ein in Stein gemeißelter digitaler Code relativ unhandlich ist).

Digitalisierte Information kann ohne Datenverlust repliziert, d.h. kopiert werden. Der Datenverlust ist dabei – das richtige Prozedere vorausgesetzt – im mathematischen Sinne gleich Null. Dies hat zur Folge dass der Begriff des Unikats für digitale Daten sinnlos wird, da das “Original” und die “Kopie” identisch und ununterscheidbar sind. Eine weitere wichtige Konsequenz ist, dass durch die verlustfreie Kopierbarkeit eine im Prinzip unbegrenzte Lebensdauer der digitalen Information resultiert.

Redundanz ist wichtig, da damit eine grössere Sicherheit bei Beschädigung des Mediums entsteht. Digitale Information kann durch geeignete Verfahren (ECC, error correction code) besonders redundant und damit gegen „Bitfehler“ gesichert werden.

   

 

 

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Hintergründe zu Konzept und Produktion der 'Virtuellen Türkenbeute'

Hier können Sie direkt in der alo-Datenbank (Austrian Literature Online) suchen!

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