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Gesellschaft & Kultur > Kulturerbe-Workshop

Abstract: Ulrich Ruoff, Zürich

Interessieren Sie sich wirklich für Datensicherung?

Bei der Langzeitsicherung von Daten ist es wie bei der Gesundheit, man spricht lieber davon, welch raffinierte Therapiemethoden es gibt, wenn sie angeschlagen ist, als wo man beginnen muss um sie zu erhalten. Wir wissen, dass ein wohl geordneter und in möglichst einfachem Format gespeicherter Datenbestand die grösste Chance hat, in 10, 50 oder gar über 100 Jahren noch lesbar und verständlich zu sein. Wir wissen, dass eine Langzeitsicherung nur für eine überlegte Auswahl von Daten Sinn macht, denn wenn wir einfach alles zufällig Anfallende speichern, droht das Wesentliche im Überflüssigem unterzugehen und irgendwann aus Kostengründen oder dem Bedürfnis auf Entrümpelung mit all dem angesammelten Wust ausgeschieden zu werden.

Nun ist es leider in unserem Alltag selten so, dass wir diesem Wissen wirklich Rechnung tragen. Langzeitsicherung ist nicht unser Problem, wenn wir uns nach dem Abschluss einer Arbeit überhaupt noch um unsere Daten kümmern, dann meist nur mit dem Problem, wohin  wir sie schieben können, um sie später allenfalls nochmals  benützen zu können. Unsere gespeicherte Datensammlung entspricht dann etwa dem Zettelkasten des Gelehrten im Archiv: in vielen Teilen nur dem verständlich, der ihn angelegt hat und vermutlich unvollständig.

Natürlich gibt es in fast jedem Institut ein gut geführte Datenbank, sozusagen die „amtliche Datensammlung“. Fraglich bleibt aber, wieweit solche Datenbanken wirklich optimal auf Langzeitsicherung angelegt sind oder nur in Hinsicht auf die Bedürfnisse der Benützer von heute und morgen? Werden z.B. „überholte“ Daten gelöscht und steht man einmal vor einem ähnlichen Fall wie die Schweizer Telefongesellschaft, die die Telefonverzeichnisse vom früheren letzten Jahrhundert weggeschmissen hat? Sind denn alte Telefonverzeichnisse wesentlich, werden Sie fragen? Wesentlich ist, dass wir uns überhaupt einmal mit der Frage nach dem Wesentlichen beschäftigen, sie immer wieder neu stellen und ihre Beantwortung nicht einfach den Verantwortlichen für die technische Durchführung der Datenspeicherung überlassen. Wenn wir uns wirklich für die Langzeitsicherung interessieren würden, müsste wohl auch in unserem Betrieb vieles besser überdacht, geregelt und mit anderen Betrieben koordiniert werden. 

   

 

 

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

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