150 Jahre GHNR

Ein Geburtstagssymposium für G. Haring und N. Rozsenich
Datum: 
Montag, 03.12.2018, 13:00
Ort: 

Österreichische Computer Gesellschaft
Saal Labstelle
Wollzeile 1
1010 Wien

 

Norbert RozsenichGünther Haring

Wir gratulieren Günter Haring und Norbert Rozsenich herzlich zu ihrem 75. Geburtstag und nehmen dies zum Anlass, ein Geburtstagssymposium für die OCG Gründungsmitglieder und langjährigen Funktionäre zu veranstalten. Zahlreiche Gratulanten blicken auf gemeinsame Jahre in der Informatik zurück und liefern gleichzeitig einen Ausblick auf die IKT und Gesellschaft von morgen.

 

Anläßlich der Geburtstage wird zeitgleich eine Publikation zur Veranstaltung erscheinen.

 

 

Uhrzeit

Programm

Sprecher

 
13:00 

Begrüßung

Wilfried Seyruck, OCG Präsident
 
13:15 

X25
Versuchsobjekt ACONET

 
13:35

MUPID
Angewandte Informatik Graz

 
13:55 

OCG & Geschichte der Abteilung
"Informationsverabeitung" des BMWF

Reinhard Goebl
 
14:15 
Kaffeepause
 
 
14:45 

Am Anfang war die Curta...

 
15:05 

Informatik als Schlüsseldisziplin der Zukunft

 
15:25

MOBILE FIRST - Herausforderung für E-ID

 

15:45

Interviewrunde

 
16:30

Dankesworte

Günter Haring
Norbert Rozsenich
Wilfried Seyruck
 
17:00

Get-together
in der OCG

 
 

 

Moderation

Ronald Bieber und Christine Wahlmüller-Schiller, OCG

 


 

Abstracts

X.25-Versuchsprojekt & ACOnet
Etwa 1981 wurde von den EDV-Zentren der Universitäten und vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung die Schaffung einer geeigneten Kommunikations-Infrastruktur für den österreichischen Wissenschafts- und Forschungsbereich eingeleitet, die schließlich 1986 zum ACOnet, dem die EDV-Zentren aller österreichischen Universitäten angehören, wurde. In seiner ersten Stufe bildete ACOnet ein privates X.25-Netz, das Universitäten in Wien, Graz, Leoben, Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg und Linz gemäß einer Ringtopologie verband. Es wurde zunächst mit 9,6 kbps, später mit 64 kbps betrieben. 1992 wurde von X.25 auf IP umgestellt.

 

Über Manfred Paul
Geb. 1939, Studium der Elektrotechnik an THW, 2. Staatsprüfung mit sehr gutem Erfolg am 2. 7. 62, Assistent am Inst. f. El. Anlagen, Promotion 14. 12. 1965 zum Doktor techn. mit Auszeichnung. Ab 1973 Leiter der Abt. Prozessrechentechnik am Interfak. EDV-Zentrums der TUW. Von einer Initiative des BMWF ausgehend kam es zwischen den RZ von THW, TH Graz und Univ. Linz zum ersten Rechnerverbund in Österreich. In der Folge Datenkommunikation über Österreich hinaus, z. B. mit dem internat. EUnet/Uzend. 1986 federführend bei Gründung des Vereins ACOnet, dessen Vorsitzender bis 1990.


 

Über einen Beamten, der Visionen verstand und bereit war auch riskante Visionen zu unterstützen
Alle kennen WWW. Wenige wissen, dass Europa - wenn es einig gewesen wäre - ein besseres System als WWW entwickelt hätte. 1969 (lange vor dem WWW!) hatte ein britischer Telecom-Mitarbeiter die Idee, über die Kombination Fernseher-Telefon (und mit etwas zusätzlicher Elektronik) mit Servern Kontakt aufzunehmen, um Informationen abzurufen, Grüße zu verschicken oder um etwas zu bestellen. Reinhard Posch und Hermann Maurer hatten die Idee, dass man das bisschen Elektronik zu einem kleinen grafik- und netzfähigen Computer ausbauen könnte. So entstand die Idee für MUPID, für Norbert Rozsenich innovativ genug, um sie in der kritischen Anfangsphase tatkräftig zu unterstützen. Dass alle Telecoms Europas einen Standard unterschrieben, die kein Kleincomputer in den frühen 80er Jahren bewältigen konnte, gab MUPID eine Chance: Aber wichtige Länder ignorierten den Standard. Damit war zwar kein wirklicher Erfolg möglich, aber MUPID führte mit Unterstützung von Norbert Rozsenich zu dem entscheidenden Ausbau der Informatik in Graz und zu 17 (!) Firmengründungen.

 

Über Hermann Maurer

Dr. phil. (Mathematik), Uni Wien 1965. Professor für Informatik Universität Calgary 1966 – 1971, Universität Karlsruhe 1971- 1977, seit 1978 TU Graz. Gastprofessor an sechs außereuropäischen Universitäten. Diverse Auszeichnungen, darunter Österreichisches Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft Erster Klasse und drei Ehrendoktorate. Publizierte mehrere Bücher und hunderte wissenschaftliche Beiträge. Betreute 60 Dissertationen bzw. Habilitationen und 400 Diplomarbeiten. Beteiligt an großen Forschungsprojekten und Firmengründungen. Forschung anfangs mehr theoretisch, dann computergestützte neue Medien, zurzeit neue Technologien und Wissensstrukturierung. Mehr als man je über ihn wissen will, findet man unter www.ae-info.org/ae/Member/Maurer_Hermann

 

Am Anfang war die Curta…
Die Fakultät für Informatik an der Universität Wien hat im Sommer 2012 mit dem Bezug des neuen Fakultätsgebäude eine Entwicklung abgeschlossen, die Ende der 50er Jahre ihren Anfang genommen hat. Karl Fröschl und Günter Haring spannen in ihrem Beitrag einen Bogen, der vom damaligen Institut für Statistik über die 60er Jahre mit Programmierkursen und Nutzerschulungen und das interfakultäre Rechenzentrum schließlich im Jahr 1973 zum Studienversuch Betriebs- und Wirtschaftsinformatik geführt hat - und damit einhergehend zur institutionellen Etablierung der Informatik. In den 80er Jahren folgten erste einschlägige Professuren und Lehrstühle. Nach zahlreichen Umstrukturierungen, Ergänzungen und Differenzierungen etablierte sich im Universitätsgesetz 2002 schließlich eine eigene Fakultät für Informatik, die im Jahr 2004 gegründet wurde.

 

Über Karl Anton Fröschl
Karl Anton Fröschl
Karl Anton Fröschl schloss das Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Wien 1990 ab und habilitierte sich dort 1996. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Wien war er wissenschaflicher Leiter des Electronic Commerce Competence Centers (EC3), engagiert sich in fachverwandten Vereinen (wie z.B. der OCG) und ist Mitabeiter bei verschiedenen wissenschaftlichen Projekten. In der OCG leitet er den Arbeitskreis eHistorie. Er hat mehr als 70 wissenschaftliche Beiträge zu den Bereichen Computational Statistics und Angewandte Informatik in verschiedenen, großenteils internationalen Zeitschriften und Kongressen verfasst. 


 

Informatik als Schlüsseldisziplin der Zukunft
Beginnend mit ersten Ansätzen der maschinengestützten Abbarbeitung von Prozessen und der elektronischen Verarbeitung von Daten positionieren sich Informations- und Kommunikationstechnologien heute als einer Art Universalwerkzeug in allen Lebensbereichen. Zunehmende Rechen- und Speicherleistung bei gleichzeitiger Miniaturiserung der HW-Komponenten erlauben es, Computer in eine Vielzahl von Gegenständen zu integrieren, Sensoren können unsere menschliche Wahrnehmung ergänzen und erweitern, Roboter unterstützen uns physisch bei gefährlichen oder schwierigen Aufgaben und Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und im maschinellen Lernen ermöglichen es Computern, uns auch bei kognitiven Aufgaben zu unterstützen. Diese Entwicklungen bieten für InformatikerInnen ein breites und interessantes Tätigkeitsfeld, wecken aber in der breiteren Öffentlichkeit auch Bedenken und Ängste, dass uns Maschinen ersetzen oder beherrschen könnten. In meinem Vortrag möchte ich daher aktuelle Entwicklungen aufzeigen, die belegen, dass Informatik zu Recht als Schlüsseldisziplin der Zukunft geseehn werden kann, dass aber ein verantwortungsbewusster und gesellschaftlich nutzenstiftender Umgang mit der Technologie sichergestellt werden muss - ganz im Sinne der Mission der OCG.

 

Über Gabriele Anderst-Kostsis
Gabriele Anderst-KotsisGabriele Anderst-Kotsis hat an der Universität Wien Wirtschaftsinformatik studiert, für Ihre Dissertation wurde sie 1995 mit dem Heinz-Zemanek Preis ausgezeichnet. Nach Gastprofessuren an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Copenhagen Business School ist sie seit Oktober 2002 Professorin für Informatik und Leiterin des Institutes für Telekooperation an der Johannes Kepler Universität Linz. Zentrale Forschungsthemen sind die Analyse und Entwicklung von Telekooperationsanwendungen und - diensten, aktuelle Schwerpunkte sind Mobilität, Integration von Multimedia und Performanz. Ihre wissenschaftlichen Leistungen wurden 2014 mit dem ACM Distinguished Scientist Award ausgezeichnet. Seit Oktober 2016 ist sie Mitglied des Universitätsrats der Alpen Adria Universität Klagenfurt.


 

 

MOBILE FIRST - Herausforderung für E-ID
Seit 29. September 2018 wird Interoperabilität von elektronischer Identifikation in Europa Realität. Zu diesem Zeitpunkt müssen alle Mitgliedsstaaten notifizierte eID Systeme aller anderen Mitgliedsstaaten verpflichtend in elektronischen Verwaltungsverfahren anerkennen. Wir werden – schon auf Basis der Verwendungszahlen offensichtlich – nur erfolgreich sein können, wenn wir die noch existierenden Gaps schließen. Das Nebeneinander von Systemen, die Google, Facebook & Co. anbieten im Kontrast zum eID Regulativ von eIDAS stellen eine dieser Herausforderungen dar. Ähnlich ist die Diskrepanz zwischen Single Sign On und Haftung, sollte dann wirklich einmal etwas passieren, zu betrachten. Insgesamt ein breites Chancenfeld, das die Verwaltung nutzen muss. Österreich hat sich von Anbeginn erfolgreich strategisch aufgestellt und mit der Handy-Signatur eine Basis gelegt, die erste Schritte zum Abdecken der Anforderungen der Verwaltung, der Wirtschaft und nicht zuletzt auch des Datenschutzes erfolgreich gezeigt hat. Der nächste große Schritt ist eine MOBILE FIRST Strategie, die im Bereich eID eine besondere Herausforderung darstellt. Ein zentraler Punkt dazu ist die unvermeidliche Voraussetzung Single Device. Auch in diesem Bereich wird mit oesterreich.gv.at eine neue Ära eingeläutet und dieser strategische Ansatz hat das Potential für eine umfassende Behandlung dieses Themas.

 

Über Reinhard Posch
Reinhard PoschReinhard Posch ist als Leiter des Institutes für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie sowie in seiner Eigenschaft als Leiter des Zentrums für sichere Informationstechnologie im Bereich Computersicherheit und Kryptographie, sichere Hard- und Softwarestrukturen sowie E‐Government tätig. Er ist Kuratoriumsvorsitzender Stiftung Secure Information and Communication Technologies SIC. Als CIO für die Österreichische Bundesregierung liegen die primären Aufgaben in der strategischen Koordination der ressortübergreifenden Aktivitäten im Bereich der Informations‐ und Kommunikationstechnologie des E-Government. Damit ist auch die Leitung der Bund Länder Städte und Gemeinden übergreifenden Platform „DIGITALES:ÖSTERREICH“ verbunden. Der CIO wurde vom Ministerrat bestellt und berichtet der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. Er vertritt Österreich im Management-Board von ENISA und hat dort auch während zwei Perioden den Vorsitz geführt. Reinhard Posch gestaltet auch laufend in Beratungsgruppen der EU‐Kommission zur Erarbeitung von IKT und Sicherheitsstrategien mit (so z.B. „Future Internet Visionaries“, RISEPTIS). Als Mitglied des „Rates der IT‐Weisen“ hat er die Vizepräsidenten Kroes und Sefkovic in Bereichen der IT-Sicherheit im Rahmen der Digitalen Agenda beraten und hat in der Taskforce für Griechenland sowie als Mitglied des IT-Advisory Board der Europäischen Bank für Zusammenarbeit und Entwicklung mitgewirkt. Reinhard Posch ist Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.


 

Über Bruno Buchberger
Bruno BuchbergerBruno Buchberger ist Professor i.R. für Computer-Mathematik an der JKU. Wissenschaftlicher Hauptbeitrag: Die Theorie der "Gröbner-Basen" mit zahlreichen High-Tech Anwendungen. In Österreich durch Gründung und Aufbau des RISC, des Softwarepark Hagenberg, der FH Hagenberg, u.v.a. technologiepolitische Aktivitäten bekannt . Auszeichnungen u.a.: Mitglied der European Academy , sechs Ehrendoktorate , "ACM Theory and Practice Award" 2007, "Herbrand Award for Automated Reasoning" 2018.

 


 

Über Sabine Köszegi
Prof Köszegi is Full Professor of Labor Science and Organization at the TU Wien and Academic Director of the MBA Program Entrepreneurship and Innovation. She received her PhD in Social Sciences from the University of Vienna. Her current research focus is on issues of social robotics. Sabine Köszegi is chairing the Austrian Council on Robotics and Artificial Intelligence and she is member of the High-Level Expert Group on Artificial Intelligence of the European Commission.