100 Jahre Heinz Zemanek

Auftakt der OCG Zemanek Lectures
Date: 
Tuesday, 14.01.2020, 16:00 to 20:00
Ort: 

TU Wien
Kuppelsaal, 4. Stock
Karlsplatz 13
1040 Wien

Logo: Zemanek Lectures

Am 1. Jänner 2020 wäre der Computerpionier und Gründungsvater der Österreichischen Computer Gesellschaft, Heinz Zemanek, 100 Jahre alt geworden.

Die OCG ehrt daher in Kooperation mit dem OVE, der Universität Wien, der IFIP, der TU Wien, des VÖSI und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie den Visionär Heinz Zemanek.

Wir nehmen den 100. Geburtstag zum Anlass und rufen die OCG Zemanek Lectures ins Leben. Es ist der Beginn einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung, die sich durch Vorträge von hochrangigen und namhaften Forscherinnen und Forschern aus dem Bereich der Informatik auszeichnet, die Prof. Zemaneks Schwerpunktthemen weiterführen.

Für die Auftaktveranstaltung im Jahr 2020 konnten wir den Informatikpionier Niklaus Wirth gewinnen. Als Themengebiet hat er sich die Programmiersprachen gewählt. Er referiert über 50 Jahre Pascal und schlägt damit die Brücke zu Heinz Zemanek. Pascal hat sich aus einer Working Group der IFIP entwickelt, deren Vorsitz Zemanek in dieser Zeit innehatte. 

Programm

Moderation: Franz Zeller, ORF

16:00
Eröffnung
Wilfried Seyruck, Präsident der OCG
Michael Wiesmüller, BMVIT
 
16:30
Zu Ehren von Heinz Zemanek
Gerhard Chroust und Norbert Rozsenich
 
17:00
Keynote:
50 Jahre Pascal
Niklaus Wirth
Träger des Turing Awards
 
ab 18:15
Get-together
 

 


 

50 Jahre Pascal - Abstract

Die Programmiersprache Pascal wurde vor 50 Jahren entworfen und die ersten Compiler dazu ausgeliefert. Nach einiger Zeit erreichte sie weltweite Verbreitung. Ihr Vorbild war die Sprache Algol 60, die erste mit klaren Grundkonzepten und einer formal definierten Syntax.

Wirth berichtet von Pascal’s Vorgeschichte in den Zeiten von Fortran und Cobol, und von der Technik der Verbreitung (Pascal-P). Diese erfolgte vor allem an Universitäten, denn Pascal besaß eine einfache Struktur und leicht erlernbare Grundkonzepte. Aber auch in vielen Industrien fand Pascal Eingang. Das erste (und letzte?) Mal wurde der Teufelskreis durchbrochen, in dem die Industrie verwendet, was Universitäten lehren, und Universitäten lehren, was in der Industrie verwendet wird.

Danach aber verbreitete sich Pascal mit der Einführung der Mikrocomputer um 1976 rasch. Die Universität San Diego unter Ken Bowles, sowie die Firma Borland (Philip Kahn) umgaben den Compiler der ETH Zürich mit einem einfachen Betriebssystem, einem Text-Editor, und einem Programm zur Fehler-Analyse, was die Programm-Entwicklung enorm erleichterte. Daher fanden diese Produkte auf Flppy Disk für $ 50,- rasch Eingang in Schulen und Haushalten.

Sodann skizzieret Wirth die weiteren Entwickungen. Die Sprache Modula-2 (1979) erweiterte Pascal mit dem Konzept des Moduls. Jetzt wurden große Systeme aus einzelnen Modulen konzipiert, die von Entwicklern separat programmiert und compiliert wurden. Ihre Schnittstellen (interfaces) werden separat definiert, und der Compiler führt die Typenkompatibilitäts-Prüfung auch über Schnittstellen hinweg automatisch durch.

Doch Modula-2 erschien, zumindest für den Unterricht, als allzu komplex. Der Nachfolger Oberon entstand aus einer strikten Vereinfachung auf das Notwendige. Im Zuge der “Objekt-Orientierung” lässt Oberon sowohl prozedurales als auch Objekt-orientiertres Programmieren zu, obwohl keine explizit Objekt-orientierten Konstrukte vorhanden sind. Oberon ist das Resultat einer langen Geschichte der Verbesserung von Algol und Pascal.

Über Niklaus Wirth

Niklaus Wirth wurde bekannt durch seine Programmiersprachen Pascal (1970), Modula-2 (1979), und Oberon (1988). Vor allem hat Pascal weltweite Verbreitung gefunden. Auf dem Gebiet der Hardware stammen die Rechner Lilith (1980) und Ceres (1986-90) von ihm.

Wirth studierte 1954- 58 an der ETH Zürich, wurde Assistenz-Professor an der Stanford University (1963-68) und war als Professor für Informatik an der ETH Zürich tätig (1968-99). Er verfasste mehrere Lehrbücher, u.a. Algorithmen und Datenstrukturen (Addison-Wesley und Teubner Verlag) und Project Oberon (1992).
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