Digitale Souveränität im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Das Symposium zum Thema „Digitale Souveränität im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ beleuchtete aus unterschiedlichen Perspektiven, wie Europa und Österreich ihre technologische Handlungsfähigkeit sichern können. Ein zentraler Konsens aller Vortragenden war: Digitale Souveränität bedeutet weder Abschottung noch vollständige Autarkie, sondern die Fähigkeit zur selbstbestimmten, informierten Entscheidung in einer global vernetzten Welt.
Zu Beginn betonte Alexander Prosser, Finanzreferent OCG und WU Wien, die Bedeutung der gesamten Wertschöpfungskette und verwies darauf, dass digitale Abhängigkeiten auch ein „Rohstoffproblem“ darstellen. Er warnte davor, technologische Diskussionen auf einzelne Anbieter zu reduzieren und stellte klar, dass digitale Kompetenz die zentrale Voraussetzung für Souveränität ist. Seine Kernfrage: Wird es gelingen, diese Kompetenzen ausreichend zu vermitteln?
Erich Prem, eutema GmbH, definierte Technologiesouveränität als strategische Autonomie, also die Fähigkeit, kritische Technologien ohne einseitige Abhängigkeiten entwickeln oder beziehen zu können. Dabei gehe es nicht um völlige Unabhängigkeit, sondern um Selbstbestimmung. Europa müsse klar festlegen, in welchen Technologiefeldern Souveränität prioritär aufgebaut werden soll.
Walter Hötzendorfer, Research Institute, argumentierte aus rechtlicher und geopolitischer Perspektive. Er zeigte, dass Abhängigkeiten nicht grundsätzlich negativ sind, solange sie gegenseitig und ausgewogen gestaltet sind. Fehlentwicklungen etwa in Energie oder Zahlungsverkehr verdeutlichen die Risiken einseitiger Abhängigkeiten. Grundlage digitaler Souveränität seien die Grundrechte, insbesondere Datenschutz, und er betonte, dass Souveränität sowohl notwendig als auch realistisch erreichbar ist.
Corinna Hörmann, Universität Salzburg, rückte die Bildung ins Zentrum der Debatte. Digitale Souveränität beginne nicht bei der Technologie, sondern im Klassenzimmer. Angesichts der Tatsache, dass 94 % der Jugendlichen KI-Chatbots nutzen – oft ohne deren Funktionsweise oder Risiken zu verstehen – bestehe ein akuter Handlungsbedarf. Ihr Fazit: Die wichtigste Investition in KI sei die Bildung, insbesondere das Verständnis digitaler Systeme und ein gestärktes Risikobewusstsein.
Martin Hörmann, Microsoft Österreich, unterstrich, dass digitale Souveränität im KI-Zeitalter vor allem Wahlfreiheit und Governance bedeutet. Organisationen und Staaten müssten in der Lage sein, zwischen Technologien, Anbietern und Betriebsmodellen zu wählen und Risiken aktiv zu steuern. KI sei dabei eine Querschnittstechnologie, vergleichbar mit Elektrizität, die alle Lebensbereiche durchdringt. Erfolgsentscheidend sei das Zusammenspiel von Technologie und Talenten.
Abschließend betonte Karl Kugler, AI Factory Austria, die Bedeutung von Infrastruktur, Fachkräften und Innovationsökosystemen. Europa verfüge bereits über starke Kompetenzen in Forschung und Industrie, müsse diese jedoch besser vernetzen und schneller in die Anwendung bringen. Digitale Souveränität bedeute daher nicht nur den Ausbau von Rechenzentren, sondern vor allem die gezielte Nutzung bestehender Stärken.
Die darauffolgende Diskussion beleuchtete noch weitere Aspekte, wie zum Beispiel Social Media Verbot für Kinder. Die Runde war sich einig, dass so ein Verbot Auswirkungen auf alle haben würde und bezüglich Datenschutzes problematisch ist.
Insgesamt zeigte das Symposium, dass digitale Souveränität ein vielschichtiges Konzept ist, das Technologie, Bildung, Governance und internationale Zusammenarbeit vereint. Entscheidend ist die Fähigkeit, Abhängigkeiten bewusst zu gestalten und gleichzeitig Innovationsfähigkeit zu sichern.